Skip to content

Releases

Dikloud – II

coverIII

„Blöde Frage und blöd gedacht. Zwar ist er nicht so blöd. Aber er bleibt der Idiot.“

So oder so ähnlich treten die Figuren in den Texten der Band DIKLOUD auf – um dann sogleich zu verstummen oder von der Tristesse industrialisierter Landstriche geschluckt zu werden. So richtig weiß man nie, wer hier der niederträchtigere, boshaftere Part ist: Das Feindesland neben dem „Restloch Lohsa“, das von so vielen auch „Heimat“ genannt wird? Oder die umhertaumelnden Menschen darin?

Falsch bleibt beides – und DIKLOUD bleiben gerne Fremdkörper.

Die Musik rast über die grauen Landschaften hinweg, schlägt immer wieder Haken. Der Opener „Schwarze Pumpe“ macht sich brachial und zäh Platz und erinnert in seiner kriechenden Unbehaglichkeit an die Berliner AMBUSH, um sogleich vom treibenden „Restloch Lohsa“ weggerissen zu werden; ein Song, der an die BLUMEN AM ARSCH DER HÖLLE oder an 3000YEN denken lässt. Das Instrumental „Kein Obstkorb“ baut sich zu einem Song auf, der im unpunkigen „Sonic Youth-Abschnitt“ eines EA80-Konzertes einen würdigen Platz fände… In steter Bewegung, nie wird es „übersichtlich“. Die wütende Verzweiflung deutscher Emobands der 90er? Und dann ist diese plötzlich fort und eine Introvertiertheit nimmt den Raum ein, die an HAUSMUSIK- oder OWL-Bands ala NOTWIST oder den HIP YOUNG THINGS erinnert.

„Höhle“, der Abschluss des Albums, versammelt all das noch einmal in einem großen Panorama: Der (an sich) verzweifelnde Mensch in einer trostlosen Umgebung. DIKLOUD verharren im Blick auf eine Frau, von der man nicht noch mehr Details erfahren muss, um zu erkennen: Da kommt nichts mehr. Aber wohin mit solchen Eindrücken? Der Song nimmt sich genau dafür Zeit. Er hebt an und ebbt ab, stoppt und explodiert. Und auf seiner Strecke fällt einem so vieles ein: L’Age D’Or Bands wie die REGIERUNG oder die späten Tocotronic, GIRLS AGAINST BOYS, das erste dEUS-Album etc… Ist das Pop? Aber hallo.
(Zuckle)

(taken from phantom records!)

 

 

 

 

Kairo – s/t

 a1238496286_10

Kairo (arabisch: ‏القاهرة‎, al-Qāhira – „die Starke“ oder „die Eroberin“) Hauptstadt Ägyptens, größte Stadt der arabischen Welt.
Das als Einleitung.
Auf meinem Plattenteller dreht die erste Vinyl einer Band aus Dresden die genau diesen Namen trägt.
Ich neige absolut nicht dazu etwas über Bands zu schreiben was so klingt als wöllte jemand eine Waschmaschiene verkaufen.
Kein: die Vorteile dieses Produktes gegenüber herkömmlichen … wie auch immer – fuck it all.
Die Menschen hinter Kairo kenne ich nun schon recht lange, ihr Werdegang, diese Band,  ist logische Konsequenz auf
ihrem Weg, den ich immer wieder kreuzen durfte.
Ich mag das Gefühl,  wenn sie mit ‚Space Cup‘ ihr Set beginnen, ihre in-sich-gekehrte Art, den Verzicht
auf (genau dieselben) Verkäufergespräche; den Verkauf,  quasi ihren Verkauf. Wie wichtig muss denen die Musik sein
wenn man sagt: kein Bock auf Shirts und den ganzen Käse. Da steht die Musik klar im Vordergrund und die ist,
obwohl sehr facettenreich vor allem eins:  liebevoll. Punk bleibt musikalisch aus, Wave & Pop wird da eher gespielt
und das ohne peinlich zu wirken. Blues, RnR und die Leute da, die alle ganz eigene Songs haben (und auf mich total persönlich wirken)
geben mir dann jedesmal den Rest. Zudem verschwimmen die Grenzen zusehens, über Ostern 2013 waren Kairo mit Dikloud und Pisse zusammen auf Tour, zu dem Anlass haben wir eine Coversplit rausgebacht und nebenbei ist irgendwie Mamma Leone entstanden (so sagt es die Legende…).
Kairo machen alles richtig und eins steht fest:  auffallen kann man heute nur noch durch Abwesenheit.

Saucier – Mamma Leone Records.

kairo bandcamp

 

Pisse – Praktikum in der Karibik

 

a1761156161_10

Ein Praktikum in der Karibik ?

Die drei Jungs von Pisse veröffentlichen nun also endlich ihre erste Platte. Und nach mehrmaligem vorab Hoeren, kann man dabei sicher von einem soliden Werk reden.

Allerdings fängt es schon damit an, dass für die sieben Zoller, die Pisse hier vorlegen, ein Puck benötigt wird. Ich hab keinen. Und werd mir deswegen sicher keinen besorgen. Im Internet gibt’s die Platte nämlich auch deutlich billiger runter zu laden. Was ich aus Ökonomischer Sicht auch empfehlen würde. So fehlt später kein Platz im Plattenschrank. Es gibt kein Rumgerenne oder Bestelle und es kostet weniger. Denn leider kann die Scheibe nicht die Erwartungen erfüllen, die viele an sie hatten. Was nicht heisst, das man die paar Minuten zum Downloaden, nicht aufbrigen sollte. Denn es gibt ein paar helle Momente. Der Opener („3-d Brille“) ist dabei sicher eines der stärksten Stücke auf diesem, gut 12 Minuten, kaltem Wavepunk Gesurfe. Natürlich darf dabei ordentlich Hall auf die Gitarre. Und irgendwie steht dann auch, folgerichtig, das Grungerevival mit im Raum. Eine fette Produktion stützt dabei die ganze Platte enorm und verhilft ihr dadurch zu etwas Licht.

Höhepunkte sind der bereits erwähnte Opener, das stark an alte Kairo-Veröffentlichungen-erinnernde „Fette Ärsche“ und das finale „Millwaukee“. Wobei Letzteres sicher am Interessantesten sein dürfte, da sich die Drei hier an eine akkustische Ballade gewagt haben. Bedient man sich dabei zwar plattester Methaphern („..die Pistole meines Grossvaters..“) und Altherren-Hamburger-Schule-Humor(„…ihr Bus fährt nicht nach Millwaukee…“), trägt einen das Riffing, der Gesang und ein gut eingesetzter Chor in verträumte Höhen. Irgendwo zwischen New Folk und Thees Uhlman. Ein versöhnliches Ende.
Bleibt festzuhalten, das Pisse in den bald zwei Jahren ihres Bestehens diverse gute Konzerte gezockt haben, auf denen ihre durchaus überzeugende Livepräsenz bestaunt und gefeiert wurde. Das bereits seit der ersten Tour(„Sachsenhass Tour 2012“) die Fancommunity stetig wächst. Dass die Musiker einiges an Erfahrung  sowie einen beeindruckenden Background an bestehnden und vergangenen Projekten vorweisen können. Zum Beispiel: Corna Kruswa, Korpus, Radio Antishanti, Plaro, True Words, Kammeradschaft Stabilbaukasten. Um nur einige zu nennen. Und doch bleibt ein fades Geschmäckle. Man hätte den drei Herren in diesem Stadium musikalischer Reife  sicher mehr zugetraut. Zumal der Weg, den sie einschlagen, ja bereits ordentlich breitgelatscht ist. Und es somit an Inspirationen nicht fehlen dürfte.

Einmal mehr zahlt sich ein Praktikum und sei es auch in der Karibik, leider nicht wie erwartet aus.

Ute Jordan (Presseabteilung Hammer Magazin)
Download: http://pisse.bandcamp.com/album/praktikum-in-der-karibik

Vinyl bestellen : www.mamma-leone.org